5 Minuten Wissenschaft: RHD bei Kaninchen
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RHD: Wissenschaft warnt vor wiederkehrender Bedrohung

Die Rabbit Haemorrhagic Disease (RHD) ist eine unheilbare Viruserkrankung, die die Gesundheit von Kaninchen ernsthaft bedroht. 1984 zum ersten Mal in China identifiziert, wurde das Virus wenige Jahre später auch in Deutschland und Österreich diagnostiziert. Im Jahr 2010 trat ein weiteres Virus zum ersten Mal in Frankreich auf, welches sich phylogenetisch und antigenetisch vom klassischen RHD-Virus (RHDV1) unterscheidet: RHDV2. Dieses Virus breitete sich in kürzester Zeit seuchenhaft in Europa aus, wurde 2013 zum ersten Mal in Deutschland und 2016 in Österreich nachgewiesen.1

Das zeigt die Studie von Rouco et al.2, in der 550 Kaninchenkadaver zwischen März 2013 und März 2016 in Portugal untersucht wurden: Die PCR-Sequenzierung ergab bei 172 Tieren ein positives RHD2-Ergebnis, hingegen war kein Tier von der klassischen RHD betroffen. In Großbritannien ist sogar seit 2010 kein einziger Fall der klassischen RHD bekannt, während sich die RHD2-Fälle häufen.3 Da keine Meldepflicht besteht, fehlen genaue Zahlen. In Deutschland verzeichnet das Hessische Landeslabor zwischen 2015 und 2023 einen eindeutigen Trend: RHDV1 wird nur in sehr wenigen Fällen nachgewiesen (je ein positiver Fall im Jahr 2016, 2021 und 2022), wogegen der Nachweis des RHDV2 in ungefähr der Hälfte der Untersuchungen positiv ausfiel.4 Der kurze Krankheitsverlauf, die fehlenden Therapiemöglichkeiten und die Tatsache, dass nur wenige verstorbene Kaninchen pathologisch untersucht werden, lässt jedoch eine hohe Dunkelziffer an Erkrankungen in Deutschland und Österreich vermuten.5

Welche dramatischen Folgen eine RHDV2-Infektion haben kann, zeigt die Studie von Harcourt-Brown et al.6, die retrospektiv Krankheitsfälle zwischen November 2016 und Dezember 2018 in Großbritannien untersuchte. Die Krankheit führt häufig so schnell zum Tod, dass jegliche Anzeichen einer Infektion fehlen: Die meisten Kaninchenbesitzer:innen berichteten, dass sich ihr Tier normal verhalten hat, bis sie es plötzlich tot aufgefunden haben. Ein Kaninchen verstarb 30 Minuten, ein anderes zwei Stunden nachdem es gefressen hat und zwei Kaninchen hatten bei ihrem Tod sogar noch Futter im Maul. Ein anderes Kaninchen verstarb 30 Minuten, zwei weitere Tiere drei Stunden nachdem eine Allgemeinuntersuchung durch einen Tierarzt durchgeführt wurde, bei der keinerlei Anzeichen einer Infektion festgellt werden konnte. In 65 % der Fälle kam es zudem zum Tod eines weiteren Kaninchens aus dem Haushalt.

Duff et al.3 definieren die RHD als wiederkehrende Bedrohung. 2020 diagnostizierten sie bei zwei verstorbenen Wildkaninchen in Wales RHD2 und gehen von einer weit größeren Todeszahl aus, da die meisten Tiere im unterirdischen Bau versterben oder Aasfressern zum Opfer fallen. Einen weiteren Krankheitsausbruch wies das Wales Veterinary Science Centre im Ynyslas Dunes National Nature Reserve noch im selben Jahr nach, bei dem schätzungsweise 30-40% der Kaninchenpopulation verstarb. Dies könnte fatale Folgen für die Umwelt haben, denn Kaninchen werden als essenziell für den Erhalt des Ökosystems des Nationalparks angesehen. Wildkaninchen gelten als Infektionsquelle für Haustiere und umgekehrt. Die Forscher:innen halten Kaninchenbesiter:innen und Tierärzte:innen an, lokale Krankheitsausbrüche zu beobachten und Maßnahmen zu ergreifen, einschließlich angemessener Impfungen, um Krankheitsausbrüche bei Hauskaninchen zu verhindern.

Happi et al.7 berichten 2021 vom erstmaligen Nachweis des Virusgenom in Subsahara-Afrika. Die nachgewiesene Virusvariante stimmt zwischen 99,1% und 100% mit dem im Deutschland vorherrschenden Virus überein, sodass von einem Import des Virus aus Europa auszugehen ist.

Die jüngste bekannte Stufe der RHD-Virusevolution in Europa stellen die 2019 in Frankreich und Belgien nachgewiesenen, besonders aggressiven („hypervirulenten“) RHDV2-Stämme dar, die zu überdurchschnittlichen Verlusten in Mast- und Zuchtbetrieben führen. Grund dafür ist, dass die Virusvarianten auch bei korrekt gegen RHDV2 geimpften Tieren durch übermäßig Stress und Leistungsdruck in diesen Haltungen die Krankheit auslösen können. Wichtig: Das trifft nur auf Tiere in kommerziellen Kaninchenhaltungen in Frankreich zu. In Deutschland und Österreich wurde diese Variante bislang noch nicht beobachtet. Bei Hauskaninchen „[…] bietet die bewährte RHDV2-Immunisierung besonders nach wie­derholten Impfzyklen auch gegen die hypervirulenten Stämme eine gute Schutzwirkung (Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) Information: Hinweise zum Auftreten neuer RHD-Varianten, Stand 14.01.2022)8. Sollte es zukünftig zu einer Ausbreitung der hypervirulenten RHDV2-Stämme nach Deutschland und Österreich kommen, empfiehlt das FLI die Impfung mit den bewährten Impfstoffen und „[…] das Impfintervall weiter zu verkürzen und Tiere alle 6 Monate zu imp­fen.“ (FLI-Information: Hinweise zum Auftreten neuer RHD-Varianten, Stand 14.01.2022)8. Die Anwendung des in Frankreich zugelassenen modifizierten Impfstoffes wird aufgrund des ent­haltenen Immunverstärkers bei Hauskaninchen nicht empfohlen.8

  • Die RHD2 ist eine aktuelle Bedrohung für unsere Kaninchen.
  • Wildkaninchen stellen dabei eine gefährliche Infektionsquelle für Hauskaninchen dar.
  • Die bewährte Impfung mit Nobivac®Myxo-RHD PLUS schützt Hauskaninchen sicher. Sollten hochvirulenter RHDV2-Stämme in Deutschland und Österreich auftreten, empfiehlt das FLI das Impfintervall zu verkürzen.8

Da das Bewusstsein für die Notwendigkeit von Kaninchenimpfungen unter Besitzer:innen häufig fehlt, unterstützen wir Sie gerne bei der Aufklärung:


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